Dermatologie & Allergologie
Psoriasis: die Haut als Spiegel der verwundeten Seele
Der Wunsch nach Kontakt, Nähe, Liebe, Zuwendung und Geborgenheit steht im krassen Gegensatz zum Panzercharakter des Psoriatikers, der sich in jeder Richtung abgrenzt und verteidigt und damit die Angst vor dem Verletztwerden und der Verwundung der Seele bekämpft. „Je größer die Abwehr und je dicker der Panzer eines Menschen, umso größer ist seine innere Empfindlichkeit und seine Angst vor Verletzung.“ Demzufolge treten heftige Schübe oft besonders in Konfliktsituationen auf, was die Notwendigkeit eines Ineinanderfließens von medizinischer und psychologischer Unterstützung deutlich macht.
Psoriasis global und ganzheitlich betrachtet
Etwa 2 bis 3% der Weltbevölkerung sind von Psoriasis betroffen, in Gebieten wie Nordeuropa und Nordamerika sind 4,8% betroffen, das Verhältnis Männer zu Frauen beträgt eins zu eins. Genetische Faktoren spielen für das Auftreten der Psoriasis sicherlich eine Rolle, obwohl es sich dabei um keine „Erbkrankheit“ im engeren Sinne handelt. Dennoch haben 40% aller Patienten, die an Psoriasis und/oder Psoriasisarthritis leiden, einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an Psoriasis leidet. Familienstudien haben ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung bei Familienmitgliedern 100-mal größer ist als unter Nichtverwandten, ein konkordantes Auftreten der Psoriasis ist bei eineiigen Zwillingen häufiger als bei zweieiigen.
Das Henne-Ei-Prinzip
Hautprobleme werden durch seelische Probleme ausgelöst, umgekehrt bedingen psychische Erkrankungen Reaktionen und Veränderungen der Haut. Negative Einflüsse auf die Lebensqualität werden nicht nur durch physische Symptome, wie Juckreiz, Schuppung, Schwellungen, Blutungen und Schmerzen, sondern auch durch soziale und psychische Schwierigkeiten, betreffend Partnerschaften, Arbeit, Interaktionen mit Mitarbeitern und das Eingliedern in öffentlichen Einrichtungen, verursacht. Die Betroffenen leiden gelegentlich unter Juckreiz. Das weitaus größere Problem ist jedoch die optische Veränderung der Haut, der die Umwelt häufig mit Vorurteilen begegnet, was bei Patienten mit schwerer Psoriasis nicht selten zu sozialer Ausgrenzung, Isolation bis hin zu völliger Vereinsamung führt – Niedergeschlagenheit, Ängste und Hilflosigkeit sind die Folge.

Psychische Einflussfaktoren von A–Z
Befragt man Patienten nach Einflussfaktoren, werden häufig folgende genannt: Alleingelassen werden, Ärger (z.B. am Arbeitsplatz), Angst, Aufregung, bevorstehende Prüfungssituationen, anhaltende, schwelende Konflikte, Depressionen, Enttäuschungen, emotionaler Stress, Erschöpfungszustände, Familienstreitigkeiten, finanzielle Belastungssituationen, Hektik, Krankheit, Liebeskummer, positiver Stress wie Heirat, Operation, Schicksalsschläge, seelische Traumata, Streit, Stress, Verlust oder Tod eines Angehörigen/Partners, Überlas-tung, Unfälle, Unzufriedenheit, Verantwortungsdruck, Vertrauensverlust, Verzweiflung, zu wenig Arbeit, zu viel Müßiggang. „Immerhin rund 70% der erwachsenen Patienten geben an, dass sie bei der Erstmanifestation der Krankheit unter besonderem Stress beziehungsweise unter seelischer Belastung gestanden seien. Und bei Kindern mit Psoriasis soll dieser Wert Untersuchungen zufolge sogar bei 90% liegen“, wie Hockmann betont.
90% aller Patienten geben nach einer Studie von Jowett & Ryan an, sich für ihr Aussehen zu schämen, 50% der befragten Patienten geben bei Ramsey and O’Reagan an, dass sie durch die Erkrankung Probleme mit ihren Sexualpartnern hätten, 84% geben bei Jobling generelle Probleme bei sozialen Kontakten an. 19% der Patienten geben in der Wake-Forest-University-Studie an, bereits explizit wegen ihrer Erkrankung aufgefordert worden zu sein, ein Restaurant, einen Swimmingpool, einen Fitnessclub, einen Friseur oder einen öffentlichen Platz zu verlassen. 24% erleben sich bei der Auswahl ihrer Freizeitmöglichkeiten als eingeschränkt.
Psychologische Faktoren und Interventionen beachten
Bei Patienten mit Hauterkrankungen ist auch zu beobachten, dass sie kaum oder nicht in der Lage sind, (positive) Gefühle wahrzunehmen oder zu äußern. Diese Menschen haben ihren gefühlsmäßigen Bereich ausgeklammert, und wenn nicht, kennen sie vor allem negative Gefühle wie Leid, Hilflosigkeit, Schmerz, Unzulänglichkeit. Sie beginnen dann überstark zu rationalisieren, der Kopf wird vermehrt eingeschaltet, und dadurch werden auch die unangenehmen Gefühle nicht mehr wahrgenommen. Häufig haben diese Patienten ein erhöhtes Kontrollbedürfnis und sind ängstlich/unsicher/vermeidend.

Literatur:
• Dooley G & Finlay AY: Personal construct systems of psoriatic patients. Clinical and Experimental Dermatology 1990; 15: 401-405
• Picardi A, Vermigli P, Toni A, D’Amico R, Bitetti D, Pasquini P: Il questionario „experiences in close relationships“ (ECR) per la valutazione dell’attaccamento negli adulti: ampliamento delle evidenze di validità per la versione italiana. Giornale Italiano di Psicopatologia 2002; 8: 282-294
• Ramsey B & O’Reagan, M: A survey of the social and psychological effects of psoriasis. British Journal of Dermatology 1988; 118: 195-201
Autorin: Mag. Ursula della Schiava-Winkler, Psychotherapiewissenschaftlerin
Letztes Update:25 Mai, 2010 - 19:59





